Der Depressionen mit Misanthropie entgegentreten

Ich versuche nun seit Beginn des Jahres, diesen Beitrag zu schreiben. Ich habe den jetzt vermehrt angefangen, gelöscht, umgeschrieben, verworfen und wieder neu angefangen. Ich erinnere mich noch daran wie ich das erste Mal versuchte, meine Gedanken und Emotionen niederzuschreiben.

Draußen schneite es und alles wirkte so trist. Ich hatte eine heiße Tasse Kaffee auf dem Tisch stehen und selber war ich in meine Decke eingewickelt. In Griffnähe stand ein Glas mit selbst gebackenen Keksen, falls es wer noch nicht mitbekommen hat, ich backe für mein Leben gern. Es war ein Sonntag und ich musste mich für den Außendienst wieder fit machen. Lust hatte ich keine. Eigentlich hatte ich grundsätzlich wenig Lust. Der Grund sitzt seit langer Zeit sehr tief in mir. Dies ist etwas persönliches und es fällt mir schwer darüber offen zu sprechen, aber ich habe Augenblicke die mir eine Flucht nach vorne ermöglichen und dies ist solch ein Moment, im welchen ich über mich selber etwas offener sprechen kann.

Es fällt mir schwer darüber zu reden, da mein Kopf jeden Augenblick nutzen möchte und sich ablenken lassen will, damit ich mich mit dem Thema nicht beschäftigten muss. Jedoch möchte ich darüber schreiben, da ich eigentlich kein Geheimnis daraus mache möchte und zugleich es einen positiven Effekt auf mich hat, wenn ich mich nicht nur in meine Hölle verziehe. Aller Anfang ist schwer und eigentlich bin ich auch kein Schreiberling, weswegen ich die Blog Sektion hier auch sehr in den Hintergrund rücke und die Bilder im Vordergrund haben möchte.

Anderweitig habe ich er bereits am Rande erwähnt, dass ich Depressionen oder unter depressiven Schüben leide. Dies trage ich nun seit klein auf mit mir. Da ich im den früheren Jahren nie Hilfe erhielt und mit meinen Problemen zu meist alleine gelassen wurde, musste ich schmerzhaft lernen damit um zu gehen. Seit klein auf schon erwache ich jeden Morgen mit einer Lustlosigkeit und finde keinen Antrieb aufzustehen. Wenn keine Verpflichtungen anliegen, so steige ich gar nicht aus dem Bett, sondern bleibe einfach liegen. Selbstzweifel plagt mich und die dauernde Kritik an mir selber, dass ich nichts kann. Lob anzuerkennen fällt mir schwer und ich suche vermehrt Kritik an mir selber. Jeder Versuch etwas anzufangen führt dazu, dass in meinen Kopf sich Szenarien abspielen, dass die Leute nur auf mir rumhacken. Über den Tag hinweg begleiten mich durchgehend Erinnerungen an Schmerzhafte Momente oder an alles was mich belastet, sowie negativ stimmt. Von den Erinnerungen habe ich viele in meinen Leben sammeln dürfen. Das Umfeld im welchen ich aufwuchs, lies mich immer spüren, dass ich nicht willkommen war und äußerte ausschließlich Kritik, was dann an meinen Selbstbewusstsein knabbern ließ. Die meiste Zeit stand ich immer im Hintergrund, leistete meinen Beitrag und erhielt die Kritik, während andere denn Lob für meine Taten einsackten.  Mit fällt es schwer mich auf meine täglichen Aufgaben zu konzentrieren und lasse oft nach Feierabend alles stehen und liegen. Der Versuch sich mit etwas zu beschäftigen, was mich positiv unterhalten sollte, fällt mir schwer und jedes Mal wenn etwas nicht auf Anhieb glückt, stresst es mich noch stärker. Die Nächte sind meist sehr kurz und ich wach nach dem wenigen Schlaf ungemütlich auf. Teils schlafe ich wiederrum länger als gewohnt und bin dennoch nicht ausgeschlafen. Eine Zeitlang ergab es sich, dass ich mich im Schlaf würgte, was meinen Verlangen nach einen Ende meines Lebens nachkam. Bei Zwei Suizidversuchen wurde ich aufgehalten und einer Missglückte. Dies alles trieb mich zur Essstörung in welcher ich alles in mich reinschaufelte und letztes Jahr zum Gegenteil, in welcher ich einen Monat nichts aß und daraufhin mich sehr langsam wieder daran gewöhnte.

Ich bin Misanthrop, meide große Menschenmengen, meide Menschen, meide die Öffentlichkeit vor der Haustür. Ich sage gerne „Ich hasse alle Menschen. Es nur gibt einige die erträglicher sind“. Meine Erfahrungen mit Menschen waren zu meist negativ geprägt und die nahe gerückte Welt bestätigt es mir jeden Tag aufs Neue. Für mich ist der digitale Raum viel angenehmer. Hier habe ich keinen direkten Kontakt zu Menschen und die Fassade des Bildschirms nimmt mir viele Hemmungen. Man kann anhand von Profilen gleich filtern und ich muss nicht wie away from keyboard (afk) den Menschen erst analysieren und enttäuscht werden, wie zu oft es bereits geschah. Mir fallen so einige Menschen ein, welche afk Freundschaft symbolisieren und dann einen spüren lassen wie unwichtig man für dieses Umfeld sei.

Die Vergangenheit meines Lebens ist wie bereits erwähnt, sehr negativ geprägt. Rassistische, Sexistische, körperlichen, seelischen und sexuellen Übergriffe beschrieben meinen Alltag. Mir ist es bekannt wie es sich anfühlt, wenn man wegen dem Körper abgestempelt wird. Zwar handwerklich ungeschickt, war ich aber gut für die meisten als Handwerker. Nur schade dass ich praktisch Zwei Linke Daumen habe. Mir sind Angriffe mit Stich- und Schlagwaffen bekannt, weil  man als nicht deutscher in einen deutschen Umfeld unterwegs ist. Mir sind als Kind unschöne Nötigungen in den Erinnerungen. Als jugendlicher Polizei die mich zu Boden zerrt und mir ne Waffe an den Körper hält, weil es den Verdacht auf einen versuchten Anschlag gab, das Indiz dazu waren meine Zwei Meter Körpergröße und meine längeren Haare.

Ich gehöre als männlicher Mitteleuropäer zwar zu einer privilegierten Gesellschaft, aber auch nur solange meine nicht deutsche Herkunft kein Thema ist. Wenn man in einen deutschen Umfeld aufwächst, wird man als außenstehender schnell für viele bestehenden Probleme beschuldigt. Mir fiel es sehr schwer in solch einer Umgebung aufzuwachsen, besonders wenn man alleine gelassen wird. Ich verstand es nie wieso außenstehende sich immer beklagten, wenn ich mal jemanden fand welcher etwas mit mir gemeinsam hatte. Seien es Interessen, Sprache, Kultur oder Aktivitäten. Heute verstehe ich das systematische Problem besser und dass ich ein fick drauf geben kann. Damals hingegen…

Als jugendlicher welcher aufgehalten wurde aus dem Fenster zu springen, weil man die Welt nicht mehr ertragen konnte, versuchte ich mich nicht mehr zu integrieren, sondern mich in dieses deutsche Umfeld zu assimilieren. Dies bedeutete für mich nicht nur die Aufgabe meiner Herkunft, sondern auch irgendwann die Verleumdung dieser, bis hin dass ich mich gewaltsam gegen meine Vergangenheit stellte. Damit spaltete ich mein bereits gelebtes Leben von mir ab und empfand es vermehrt als etwas was bekämpft werden musste. Diese radikale Assimilation in ein konservatives deutsches Umfeld zog mich dann auch in eine radikale deutsche Umgebung, in welcher ich Kameradschaft kennenlernte, etwas wo jemand für einen da ist, aber auch nur solange es dem Kollektiv und nicht dem Individuum vom Vorteil erscheint. Schuld waren die Minderheiten. Witze über diese seien Normal, denn diese können sich nicht wehren. In dieser Welt war die Hackordnung noch wichtiger und damit für mich unerträglicher. Erträglich wurde mein Leben durch den Rausch von Alkohol. Irgendwann zerfiel alles, alle gingen Ihre Wege und ich stand vor einen Umbruch.

Die Schule verlies ich nach der neunten Klasse, da diese Schule in mir mehr Verachtung gedeihen ließ. Schüler die sich über andere stellten, da sie im Gegensatz zu anderen ein sorgenfreies Leben führen konnten und damit Randgruppen stärker behackten. Lehrer welche ein Bonus auf die Note gaben, wenn der Ausschnitt saß. Lehrer die einen eintrichterten, man sei ein nichts und aus einen würde nichts werden. Lehrer die mit Absicht mir ein Halbjahr verbauten indem Sie mir den Kurswechsel verweigerten, damit ich nicht aus deren Fängen komme und mir meine Noten versauen konnten, weshalb ich mit Absicht auf eine 6 hingearbeitet habe, damit ich eine Zwangsversetzung erhalte und darauf wieder ausschließlich nur Einser schrieb. Keine Abschlussfahrt. Mein Zeugnis erhielt ich auf einer großen Abschlussfeier, mit all den Leuten aus dem Jahrgang über mir. Ich wollt nur mein Zeugnis, wurde jedoch verpflichtet an der Feier teilzunehmen. Ich ging hin, nahm mein Zeugnis und ging. Ich war froh diese Zeit hinter mich zu bringen.

Mit der neuen Schule kamen viele Änderungen. An mir hing noch so viel Vergangenheit dran, dass es mir schwer fiel in der Schule zurecht zu kommen. Verschwörungstheoretiker unterrichteten mich. Die Nazis ließen mich in der Schule in Ruhe, da an mir die Parallelvergangenheit haftete welch ich einst aufbaute. Es entstanden verschiedene Peergroups und etwas wie Freundeskreise. Die Menschen vernetzten sich mit mir und ich mit denen. Ich lernte etwas kennen, was ich zuvor nicht kannte. Ich wurde für einige wenige ein wichtiger Bestandteil. Kurzweilig vergas ich mein vorheriges Leben und meine Meinung zu Menschen. Ging eine Beziehung ein. Menschen veränderten sich. Wege trennten sich. Immer mehr Menschen nutzten mich aus und das Spiel von einst wiederholte sich erneut. Meine Leistungen wurden von anderen als deren ausgegeben. Menschen logen, verschworen sich gegen mich, Freundschaften gingen zu Bruch. Ich distanzierte mich und wollte altes nicht mehr an mich ran lassen, bis mein Vertrauen missbraucht und mit Absicht gegen mich gearbeitet wurde. Mein Misstrauen gegenüber Menschen wuchs wieder an und bewahrheitete sich. Meine Beziehung zerbrach, Freundschaften wurden beendet und dies so radikal, dass nur noch ein Bruchteil übrig blieb. Ich wurde sarkastischer und zynischer als je zuvor. Mein Zweiter Suizidversuch missglückte. Meine Depressionen wuchsen an und meine Laune verfinsterte sich deutlich. Ich geriet an eine Person, welch mir Hoffnung gab. Der Mensch lenkte mich von meinen dritten Versuch ab und bat mich es nie wieder zu versuchen.

Mit der neuen Hoffnung kam ich an eine neue Peergroup, welche ich anfing zu schätzen. Mir gefiel der Gedanke gemeinsam am etwas zu arbeiten und jeder übernimmt sein Teil dazu. Dies alles gab mir so viel Hoffnung, dass ich erleichtert meinen Job Verlust aufnahm und zuversichtlich in die Zukunft blickte. Jeder Frust wurde mir genommen und ich genoss es richtig frei zu sein. Vieles drehte sich bei mir um den einen Menschen, welcher für mich da war, ich für den Menschen immer da sein wollt. Dieser Mensch der mir den Schlaf nahm um mit mir Kontakt aufzunehmen, dieser Mensch für den ich mehrere Hundert Kilometer fuhr um diesen zu treffen. Dies verlief so gut, bis man anfing eine Distanz zu mir aufzubauen. Anfangs sah ich darüber hinweg, jedoch wurde ich vermehrt abgewimmelt, ignoriert oder unliebsam symbolisiert wie unwichtig ich sei. Irgendwann schmerzte es so sehr, dass ich die Distanzierung vorzog. Es eskalierte, es knallte, mir wurde vorgeworfen ich treibe ein Keil in den Freundeskreis. Mein Zynismus und meine Misanthropie wuchsen weiter an. In meinen Kopf spielen sich zu der Zeit immer wieder jene Erinnerungen ab, welch mir besonders Schmerzen zufügten und verdrängten somit immer mehr die positiven Erinnerungen.  Ich erkannte aber, dass meine Misanthropie mich antrieb, mir Kraft gab und mich voran brachte, während jede Bemühung einer Verarbeitung mich tiefer ins Loch zog. Es war am Ende meine Misanthropie die mich nach draußen zog und mir Kraft gab, mich politisch zu engagieren, für etwas einzustehen, für Menschen da zu sein. Ja ich bin voller Menschenhass, Sarkasmus und Zynismus, dies sind meine Mittel um mit meiner Depression um zu gehen und mit dieser zu leben. Je mehr ich diese Seiten an mir abfallen lasse umso mehr laufe ich der Gefahr, dass mir toxische Menschen erneut wieder absichtlich schaden möchten.

So auch Jüngst wieder, als Menschen einer Peergroup meinten dauerhaft mich verbal zu attackieren und vorwürfe zumachen, welch sie selber tätigen. Erzählen vom Feminismus, der solange gut ist, wenn man den für sich selber nutzen kann und die Frau dann doch nur für die Küche reicht. Schreiben sich die Moral groß auf die Fahne und was die doch Gutes tun, wenn man kleine Projekte unterstützt um im gleichen Atemzug auf allen rumzuhacken, weil man es doch von den Big Playern machen lassen soll. Konkurrenz unerwünscht. Menschen die „Frauen in die IT“ rufen und wenn die dahin wollen, erstmal symbolisieren das man als Mann der Frau helfen muss, da sie ja ne Frau sei. Mir jeden Tag die moralische Überlegenheit unter die Nase reiben, weil das Bruttoeinkommen dem dreifachen von meinen entspricht und die Person sich dadurch das bessere Leben leisten kann, während ich für ein Umweltschonenderes Auto lange sparen muss. Diese Person stellte mir ne Rechnung aus und beglich nicht einmal seine erheblich höheren Schulden bei mir. Es ist auch die gleiche toxische Person welch Kleinkunst fördern möchte und deswegen einen Mainstream Comiczeichner Geld entgegen wirft. Das Problem ist nicht die Finanzierung, dies empfinde ich als sehr gut, sondern das scheinheilige Argument welches nur dem dient, dass man sich moralisch erhabener stellt. Die dauernden ansagen, wer alles besser sei als ich, wobei man hier Äpfel mit Birnen verglich. Ignoranz, Anfeindungen und die immer größere Arroganz mir gegenüber, trieb mich zur Entscheidung, es auf die Probe zu stellen und mir den Beweis einzuholen, dass der Mensch lieber Arroganz walten lassen will, statt einmal zu zugeben dass er im Unrecht ist. Es führte am Ende dazu, dass ich aus der Peer Group rauskomplimentiert wurde und ich damit einen ganzen sozialen Zweig in meinen Leben verlor.

Ich wurde von den toxischen Menschen immer darum gebeten Rücksicht auf andere zu nehmen, besonders auf die selber, die gleichen nahmen aber keine auf mich. Die gleichen Probleme oder ähnliche Situationen werden bei sich selber höher gewichtet und meine Erfahrungen im Leben relativiert. Nun sitze ich hier und bereue keine meiner Entscheidungen, denn ich bin nicht meiner Depressionen Schmied, aber ich lebe mit diesen als Misanthrop vor mich hin. Der Hass auf Menschen gibt mir die Kraft gegen den gesellschaftlichen Hass auf Menschen zu arbeiten und auf Missstände zu zeigen, auch wenn man mich weder sieht noch wahrnimmt. Jeder kleiner Erfolg im Kampf gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus hinterlässt einen bunten Riss in meinen sonst voller Hass getriebenen Herzen und so gesehen ist beides für mich miteinander vereinbar. Ich hoffe sehr, dass jene toxische Menschen lernen, dass Probleme im Leben kein Schwanzvergleich ist und das Umfeld einen Menschen gestalten wie dieser damit umgeht. Mein Misstrauen Menschen gegenüber ist größer als je zuvor, mein Humor ist sehr tief schwarz, Zynismus und Sarkasmus prägt mein Alltag. Meine Lunte ist sehr kurz und meine Grenze des ertragbaren explodiert gerne. Ob ich einen Menschen jemals wieder so sehr vertrauen kann, ohne zu blockieren oder diesen abzuweisen, ist ungewiss. Ich bin unliebsam, unsympathisch, rau und teils wie ein Gewissen welch einen mit dem Gesicht in den Spiegel boxt.  Ich will weder Ruhm, Reichtum noch Ehre, ich will meine Ruhe und das es funktioniert und wenn es nicht funktioniert, treibe ich solange Salz mit dem Mittelfinger in die Wunde der Menschheit, bis ich durch meine Depression untergehe oder die Menschheit an mir.

CC0 1.0 Soweit dies durch das Gesetz möglich ist, hat der Schöpfer auf das Copyright und ähnliche oder Leistungsschutzrechte zu seinem Werk verzichtet.